Elektrotechnik Blechgehäuse: Funktionssichere Fertigung von der Konstruktion bis zur Montage
Ein Gehäuse für die Elektrotechnik oder Labormesstechnik ist eine hochfunktionale Systemkomponente. Es muss passgenaue Anforderungen an Schutzklassen, passive Entwärmung und elektromagnetische Verträglichkeit erfüllen.
EMV-Kontaktierung & leitfähige Übergänge
Für eine zuverlässige elektromagnetische Abschirmung integrieren wir definierte EMV-Kontaktstellen entlang aller Gehäuseübergänge, sodass Deckel, Türen und Seitenteile über den gesamten Frequenzbereich hinweg niederohmige, leitfähige Verbindungen sicherstellen.
EMV-Dichtungen / Gaskets
Wenn erhöhte Anforderungen an die HF-Dichtigkeit bestehen, statten wir die Gehäuse mit leitfähigen EMV-Dichtungen oder Edelstahlfederleisten aus, die Störstrahlung wirksam absorbieren und ableiten.
EMV bei Lüftungsöffnungen
Sollen trotz EMV-Anforderungen Lüftungsschlitze vorgesehen werden, realisieren wir wabenförmige EMV-Gitter, die die elektromagnetische Dämpfung erhalten, ohne die Luftzirkulation einzuschränken.
Kabelschirmung / Schirmanschlüsse
Für geschirmte Leitungen integrieren wir definierte Schirmanschlusspunkte direkt ins Blechdesign, um den 360°‑Kontakt zwischen Kabelschirm und Gehäuse sicherzustellen.
BVS fertigt diese Gehäusesysteme passgenau nach Kundenspezifikation – von der fertigungsgerechten Konstruktion über die mechanische Blechbearbeitung bis zur Endmontage und Testung im eigenen ESD-Bereich. Das Resultat sind prozesssicher gefertigte Komponenten, die ohne Schnittstellenverluste als einbaubereites System direkt in Ihre Wertschöpfungskette fließen.
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Co-Engineering: Serienkosten direkt in der Konstruktion senken
Ein Großteil der späteren Serienkosten wird bereits in der Konstruktionsphase festgelegt. In der Praxis erhalten wir Entwürfe jedoch oft erst, wenn das Design zu 80 bis 90 Prozent abgeschlossen ist. Zu diesem Zeitpunkt stehen die wesentlichen Parameter fest, sodass wir in der Fertigung oft nur noch reagieren und aufwendig mit bestehenden Strukturen arbeiten können.
Echtes Co-Engineering bei BVS setzt exakt hier den Hebel an – durch eine deutlich frühere Einbindung, idealerweise ab dem ersten Entwicklungsschritt. Wenn das Team Arbeitsvorbereitung bereits in der Konzeptphase am Tisch sitzt, können wir das volle Potenzial der Blechbearbeitung ausspielen, bevor Fakten geschaffen werden: Wir ersetzen teure und massive Frästeile durch intelligente, wesentlich kostengünstigere Kantkonstruktionen. Wir bringen gezielte Versteifungen sowie notwendige Passungen direkt in die Blechabwicklung ein und integrieren Normteile wie Buchsen prozesssicher. Zudem sichern wir von Beginn an die spätere Wartungsfreundlichkeit, indem wir auf lösbare Verbindungen setzen und eine Zugänglichkeit konstruktiv einplanen.
Passives Thermomanagement und hohe IP-Schutzarten
Wie zuverlässig eine Elektronik arbeitet, hängt direkt davon ab, wie effizient die anfallende Verlustleistung aus dem Gehäuse abgeführt wird. Deshalb betrachten wir das thermische Management und die geforderte IP-Schutzart von Anfang an als konstruktive Einheit. Um Stauhitze zu vermeiden und die Langlebigkeit der Baugruppen zu sichern, setzen wir auf praxiserprobte Lösungen:
- Wärmeableitung durch Aluminium: Wir setzen bevorzugt auf Aluminiumlegierungen, da diese Materialbasis die Wärme optimal aufnimmt und flächig an die Umgebung abgibt.
- Stahl vs. Aluminium differenzieren: Während Aluminium aufgrund seiner hohen Wärmeleitfähigkeit für die passive Entwärmung ideal ist, setzen wir bei schlag- oder vandalismusgefährdeten Anwendungen bewusst auf Stahlgehäuse, die wir über konstruktive Maßnahmen dennoch thermisch optimieren.
- Bedeutung von Fläche & Konvektion: Neben dem Material spielt auch die vergrößerte Oberfläche und eine gezielt unterstützte natürliche Konvektion eine wesentliche Rolle für die effiziente Wärmeabfuhr.
- Anpresskräfte & Montagearten von Kühlkörpern: Je nach Leistungsdichte realisieren wir Kühlkörperanbindungen mit definierten Anpresskräften oder nutzen zweikomponentige Wärmeleitkleber, um einen dauerhaft stabilen thermischen Übergang sicherzustellen.
- Verlustfreie Kühlkörper-Anbindung: Spezielle externe oder interne Kühlkörper koppeln wir über Wärmeleitpaste direkt an das Aluminium – für einen sauberen thermischen Übergang ohne isolierende Luftpolster.
- Belüftung mit doppeltem Schutz: Sofern das Konzept offene Lüftungsschlitze für die passive Entwärmung vorsieht, statten wir diese innenseitig mit einer doppelten Absicherung aus, die als zuverlässiger Kleintierschutz fungiert.
- Bedarfsgerechte Schutzklassen: Im Standardbereich konstruieren wir Elektrotechnik-Gehäuse meist für IP64 (staubdicht und spritzwassergeschützt). Für anspruchsvolle Einsatzgebiete, wie etwa die Labormesstechnik, realisieren wir gezielt deutlich höhere Schutzklassen, die die Elektronik auch sicher vor Säuren und aggressiven Medien abschirmen.
- Erweiterung auf IP65–IP67
Für industrielle oder mobile Einsatzbereiche konstruieren wir Gehäuse regelmäßig auch in höheren Schutzarten wie IP65 oder IP67, inklusive optionaler Druckausgleichselemente zur Vermeidung von Kondenswasserbildung.
Elektrische Leitfähigkeit, Erdung und Kabelmanagement
Ein sicherer Potenzialausgleich erfordert zwingend metallisch blanke Kontaktstellen. Ein präzises Maskierungsverfahren mit Spezialfolie hält die exakten Bereiche vor der Pulverbeschichtung lackfrei und garantiert so die lückenlose Erdung ab Werk. Alternativ bieten sich Erdungsfahnen oder passgenaue Einpresselemente direkt im Blech an, um Kabel später sicher zu verschrauben.
Müssen Platinen strikt luftisoliert ohne Gehäusekontakt verbaut werden, spielt die CNC-gesteuerte Einpresstechnik ihre Stärken aus. Dieses thermisch neutrale Verfahren erzeugt absolut verzugsfreie Anschraubpunkte für eine exakte und zügige Elektronikmontage. Das saubere Kabelmanagement im Inneren lösen schließlich integrierte Schlitzbrücken. Diese entstehen hocheffizient bereits im allerersten Arbeitsschritt direkt auf der Stanzmaschine, was spätere Montageaufwände deutlich reduziert.
Einbaubereite Systemkomponenten: Von der Oberfläche bis zur Endmontage
Der Weg vom reinen Blechteil zur funktionsfähigen Komponente erfordert in den letzten Produktionsschritten eine exakt abgestimmte Oberflächenbehandlung und eine prozesssichere Bestückung. Durch die Bündelung dieser finalen Gewerke unter einem Dach entfallen fehleranfällige Schnittstellen und unnötige Transportwege in der Lieferkette.
Langlebiger Oberflächenschutz und Vandalismussicherheit
Gehäuse im anspruchsvollen Außenbereich erfordern einen langlebigen Korrosionsschutz.
Schichtdicken + Prozessdetails
Die KTL-Grundierung applizieren wir mit typischen Schichtdicken von 18–22 µm, während die Pulverbeschichtung je nach Farbton und Struktur zwischen 60 und 120 µm aufträgt.“
EMV-leitfähige Oberflächen optional
Für EMV-kritische Anwendungen stehen zudem leitfähige Oberflächen wie chemisch Nickel oder Zink-Nickel zur Verfügung, die definierte Ableitwerte gewährleisten.
Die Basis dafür bildet ein leistungsstarkes Duplex-System: Das Grundmaterial erhält zunächst eine KTL-Beschichtung und im Anschluss einen robusten Pulverdecklack. Sobald im öffentlichen Raum zudem Vandalismussicherheit gefordert ist, passt sich das Blechdesign den verschärften Bedingungen an. Solche spezifischen Einsatzszenarien werden durch gezielte Maßnahmen direkt abgedeckt:
- Funktionale Beschichtungen: Einsatz extrem UV-resistenter Pulverlacke oder spezieller Anti-Graffiti-Oberflächen, die eine schnelle, rückstandslose Entfernung von Farbschmierereien ermöglichen.
- Robuste Mechanik: Doppelwandige Ausführungen und konsequent geschweißte Konstruktionen, die weder Spaltmaße für Hebelwerkzeuge noch unnötige Öffnungen nach außen bieten.
- Integrierte Sicherheit: Passgenaue Vorbereitung und Montage von Hochsicherheits-Schließsystemen sowie manipulationssicheren Beschlägen.
Geprüfte ESD-Baugruppenmontage aus einer Hand
Der Transport leerer Blechgehäuse zu externen Bestückern verursacht vermeidbaren Logistikaufwand und birgt das unnötige Risiko von Transportschäden. Durch unsere hauseigene, ESD-gerechte Baugruppenmontage schließt sich diese Lücke in der Lieferkette nahtlos. Die komplette Bestückung der Elektronik sowie die finale Testung erfolgen zentral an einem Ort.
Normenreferenz
Unsere ESD-Montageplätze entsprechen vollständig der DIN EN 61340‑5‑1 und stellen damit eine kontrollierte elektrostatisch geschützte Zone (EPA) für alle sensiblen Bauteile sicher.
Prüfprozesse
Jede Serie durchläuft dokumentierte ESD-Prüfroutinen, darunter leitfähige Arbeitsplatzmessungen, regelmäßige Ableitwiderstandsprüfungen und Armbandtests für alle Mitarbeitenden an der Linie.
Verpackung & Versand
Nach der Endprüfung verpacken wir die montierten Baugruppen ausschließlich in leitfähigen ESD-Verpackungen oder schirmenden Behältern, um die Elektronik auch beim Transport zuverlässig zu schützen.
Jedes Gehäuse und die verbauten Systemkomponenten durchlaufen dabei eine detaillierte mechanische und elektrische Endkontrolle. Das Resultat ist eine vollständig geprüfte, direkt einbaubereite Baugruppe, die ohne Schnittstellenverluste in die finale Wertschöpfungskette einfließen kann.
Wirtschaftliche Gehäusefertigung ohne Schnittstellenverluste
Ein funktionsfähiges Elektrotechnik-Gehäuse entsteht nicht durch das bloße Abkanten von Blech. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit in der Serie resultiert aus der intelligenten Verknüpfung von Konstruktion, mechanischer Fertigung und Endmontage. Wenn massive Frästeile frühzeitig durch smarte Kantungen ersetzt, EMV-Kontaktstellen direkt im Pulverprozess maskiert und die Elektronik im hauseigenen ESD-Bereich verbaut werden, entfallen teure Nacharbeiten und fehleranfällige Logistikwege. Diese geschlossene Prozesskette unter einem Dach sichert den entscheidenden Zeit- und Kostenvorteil bis zur einbaubereiten Systemkomponente.
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FAQ: Technische Details zur Gehäusefertigung
Welche Schutzarten (IP-Klassen) werden bei Elektrotechnik-Gehäusen am häufigsten gefordert?
Im Standardbereich werden die Gehäuse meist auf IP64 (staubdicht und spritzwassergeschützt) ausgelegt. In speziellen Branchen wie der Labortechnik setzen wir bei Kundenwunsch noch höhere Schutzklassen um, beispielsweise um die Technik sicher gegen Säuren abzuschirmen.
Wie wird bei lackierten Blechgehäusen eine sichere Erdung hergestellt?
Notwendige Kontaktstellen für die Erdung werden vor der Pulverbeschichtung mit einer speziellen Folie maskiert, um sie lackfrei zu halten. Alternativ bringen wir Erdungsfahnen oder spezielle Einpresselemente ein, die nach dem Beschichten einen direkten metallischen Kontakt für die Verschraubung gewährleisten.
Wozu eignen sich Einpresselemente in der Bauteilmontage?
Einpresselemente dienen als hochpräzise Anschraubpunkte. Sie sind ideal für die Montage von Platinen, die luftisoliert verbaut werden müssen und keinen Kontakt zum restlichen Gehäuse haben dürfen. Die Elektronik lässt sich dadurch im Nachgang schnell und passgenau verschrauben.
Wie wird die passive Entwärmung der Elektronik realisiert?
Wir setzen bevorzugt auf Aluminiumlegierungen, da diese die Wärme optimal ableiten. Spezielle Kühlkörper werden über Wärmeleitpaste direkt mit dem Aluminium verbunden. Wenn Lüftungsschlitze vorgesehen sind, versehen wir diese von innen mit einer doppelten Sicherung als verlässlichen Schutz gegen Kleintiere.
Welche Oberflächenbehandlung schützt Gehäuse im anspruchsvollen Außenbereich?
Für den Außeneinsatz setzen wir auf einen doppelten Schutz: Eine Kombination aus KTL-Beschichtung (Grundierung) und einer abschließenden Pulverbeschichtung on top. Je nach Anforderung verwenden wir spezielles Pulver, das eine hohe UV-Beständigkeit aufweist oder Anti-Graffiti-Eigenschaften besitzt.

