Messtechnik-Gehäuse: Geometrietreue und Schutz für sensible Sensorik
In der Messtechnik ist das Gehäuse eine funktionale Komponente, die über die Validität der Messergebnisse entscheidet. Gehäuse für Labormessgeräte müssen hochsensible Elektronik vor elektromagnetischen Störfeldern (EMV), chemischen Einflüssen, Feuchtigkeit und thermischen Spannungen schützen. BVS Blechtechnik fertigt diese Baugruppen in einer geschlossenen Prozesskette, die bei der Materialvalidierung im Wareneingang beginnt und bei der funktionsgeprüften Baugruppe endet.
Technische Machbarkeit für Ihr Gehäuse-Projekt prüfen lassen
Werkstoffmanagement und Oberflächentechnik im Laborumfeld
Die Materialwahl – meist Aluminium oder Edelstahl – wird durch die physikalischen Anforderungen des Einsatzortes bestimmt. Während Aluminium durch seine elektrische Leitfähigkeit die EMV-Schirmdämpfung unterstützt, bietet Edelstahl den notwendigen Schutz gegen Säuren und aggressive Reinigungsmittel.
H3: Präzision durch Materialkontrolle und Schichtaufbau
- Korrektur der Rückfederung: Blechchargen variieren innerhalb der Normtoleranzen in ihrer Dicke. Da das Biegeergebnis direkt von der Materialstärke abhängt, messen wir jede Charge beim Wareneingang nach. Schon eine Abweichung von 0,03 mm kann den Biegewinkel verändern. Wir hinterlegen die exakten Messwerte in den NC-Programmen unserer Abkantpressen, um die Geometrietreue ohne manuelle Korrekturzyklen zu halten.
- KTL gegen Unterwanderungskorrosion: In chemischen Umgebungen versagt eine reine Pulverbeschichtung oft an scharfen Kanten. Wir nutzen die Kathodische Tauchlackierung (KTL). Das Gehäuse wird im KTL-Bad unter Strom gesetzt, wodurch sich der Lack elektrochemisch gleichmäßig abscheidet – auch in tiefen Bohrungen und an Innenkanten.
- EMV-Integrität durch Maskierung: Damit ein Gehäuse als Faradayscher Käfig funktioniert, müssen Deckel und Korpus elektrisch leitend verbunden sein. Wir maskieren Kontaktstellen und Erdungspunkte vor dem Lackieren präzise. Diese metallisch blanken Kontaktpfade verhindern Impedanzsprünge sowie schlechte Masseverbindungen, die empfindliche Messsignale verfälschen könnten.
Maßhaltigkeit durch Kamera-Abgleich und Lehrenprüfung
Im Dünnblechbereich führen Materialspannungen nach dem Stanzen, Lasern oder Umformen oft zu minimalem Verzug. Da in der Messtechnik Toleranzen im unteren Zehntelbereich gelten, sichern wir die Qualität durch ein zweistufiges Validierungssystem.
- Optischer DXF-Abgleich: Das erste Teil einer Serie wird per Kamera erfasst und softwaregestützt gegen das digitale Schneidfile (DXF) gespiegelt. Konturabweichungen oder Verschiebungen im Lochbild werden sofort erkannt, bevor die Serienfertigung startet.
- Physische Abnahmelehren: Wir fertigen projektspezifische Prüflehren, die die mechanischen Anschlusspunkte der späteren Elektronik simulieren. Nur wenn das Gehäuse spannungsfrei in die Lehre passt, wird die Baugruppe freigegeben.
- Verzugfreies Fügeverfahren: Durch fein fokussiertes Laserschweißen halten wir die Wärmeeinflusszone extrem klein. Dies verhindert den thermischen Verzug der Gehäusegeometrie und erhält die Maßhaltigkeit beim Fügen von IP-dichten Komponenten.
Co-Engineering: Funktionale Integration statt teurer Frästeile
Wir substituieren komplexe Frästeile durch kluge Blechkonstruktionen, um Gewicht und Kosten zu reduzieren, ohne die Stabilität zu gefährden.
- Einpresstechnik für Gewindetiefe: Dünnblech bietet nicht genug Materialstärke für tragfähige geschnittene Gewinde. Wir verankern daher bevorzugt Einpressbolzen und -muttern kraftschlüssig im Material. Dies ermöglicht sichere Verschraubungen für Wartungsdeckel oder schwere Komponenten wie Trafos direkt im Dünnblech.
- Steifigkeit durch Umformung: Durch gezielte Sicken und Kantungen erzielen wir eine statische Stabilität, die massiven Bauteilen entspricht. Halterungen für Displays oder Platinen werden direkt aus dem Gehäuse Material herausgebogen, was die Teilevielfalt und Montagefehler minimiert.
Baugruppenmontage im ESD-Bereich
Der Fertigungsprozess bei BVS umfasst auf Wunsch die Bestückung der Gehäuse mit Elektronikkomponenten, Displays und Kabelbäumen. Dieser Schritt findet in einem dedizierten ESD-Schutzbereich gemäß DIN EN 61340-5-1 statt, um die Sensorik vor Schäden durch elektrostatische Entladungen zu schützen.
Die Systemintegration erfolgt konsequent nach Ihren individuellen Montageanweisungen und Prüfprotokollen. Wir führen nach dem Einbau die geforderten Schutzleiterprüfungen und Funktionstests durch, sodass Sie eine einbaufertige Einheit erhalten. Dies verkürzt Ihre interne Wertschöpfungskette, da die Baugruppen direkt in Ihren Endtest oder Versand gehen können.
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FAQ:
Wie garantiert BVS die Einhaltung enger Toleranzen bei Messgeräten?
Durch die Messung der Materialstärke beim Wareneingang und die softwaregestützte Korrektur der NC-Programme. Zusätzlich validieren wir die Geometrie durch optischen DXF-Abgleich und Messungen auf der 3D Messmaschine..
Warum ist die KTL-Beschichtung für Labormessgeräte empfehlenswert?
Im Gegensatz zum Pulverauftrag schützt das KTL-Tauchbad auch Innenkanten und Bohrungen lückenlos vor Korrosion – besonders wichtig bei Laborgeräten, die regelmäßig mit Säuren oder Reinigungsmitteln in Kontakt kommen.
Wie löst BVS das Problem fehlender Gewindetiefe in dünnem Blech?
Wir nutzen Einpresstechnik. Kraftschlüssig verankerte Bolzen und Muttern bieten hohe Ausreißfestigkeit für eine sichere Montage von Komponenten, wo geschnittene Gewinde versagen würden.
Erfolgt die Montage der Elektronik in geschützter Umgebung?
Ja, die Systemintegration findet in einem ESD-Bereich statt. Montage und elektrische Prüfungen (z. B. Schutzleiterprüfung) erfolgen individuell nach den Protokollen unserer Kunden.
Wie wird Schweißverzug bei präzisen Gehäusen vermieden?
Durch den Einsatz von Laserschweißen. Die punktgenaue Wärmeeinbringung minimiert den thermischen Verzug und erhält die Maßhaltigkeit der Gehäusegeometrie.

