Wer Blechteile entwickelt, denkt oft zuerst an den Prototyp: Passt das Teil? Funktioniert die Konstruktion? Lässt es sich fertigen? In der Serienfertigung entscheiden diese Fragen jedoch über Kosten, Lieferfähigkeit und Reklamtionsquote.

Das sind die richtigen Fragen, aber in der Serienfertigung reichen sie nicht aus. Eine Serie von 500 oder 5.000 Teilen stellt andere Anforderungen an Toleranzangaben, Materialauswahl, Anlaufplanung und Lieferflexibilität. Was beim Prototypen noch als Einzelfall durchgeht, wird in der Serie zum systematischen Problem. Und systematische Probleme werden teuer. Erfahren Sie, an welchen Stellen bei BVS die entscheidenden Weichen gestellt werden und was Konstrukteure, Einkäufer und Planer wissen müssen, bevor die erste Serie läuft.

Serienprojekt geplant? Lassen Sie Konstruktion und Seienanlauf vorab technisch prüfen.

Die teuersten Fehler entstehen vor der Fertigung

Die teuersten Fehler in der Blechserienfertigung entstehen nicht an der Maschine. Sie entstehen am Schreibtisch, oft Wochen vor dem ersten Auftrag.

Der häufigste und teuerste Fehler in der Serienfertihung ist ein nicht erkanntes Toleranzproblem. In der Konstruktion wird zunächst ein Nennmaß angegeben. Die tatsächlich gewünschte, asymmetrische Toleranzlage wird anschließend separat vermerkt, ohne das Nennmaß selbst anzupassen. Der Fertigungsbetrieb übernimmt den CAD-Wert und produziert auf dieser Grundlage. Das Ergebnis zeigt sich in der Praxis: Der Konstrukteur wollte 399,7 mm, gefertigt wurde auf 400,0 mm. Beim Zusammenbau passen die Teile nicht. Der Auftrag ist fertig, geprüft, vielleicht schon geliefert. Jetzt beginnen die Diskussionen darüber, wer die Mehrkosten trägt. Der Grundsatz, der solche Situationen verhindert, ist einfach: Toleranzen müssen mittig zur Nenngröße angegeben werden. Wer 399,7 mm braucht, zeichnet 399,7 mm.

Fragen zur Machbarkeit gehören ebenfalls in diese frühe Phase. Ob eine Kantung in der geplanten Form realisierbar ist, ob ein Biegeradius mit dem Material verträglich ist, ob die vorgesehene Fügetechnik zur Konstruktion passt: All das lässt sich vor der Serie in einem kurzen technischen Gespräch klären. Nach Serienstart sind korrigierende Eingriffe entweder unmöglich oder so teuer, dass sie die Kalkulation des gesamten Auftrags verschieben. Eine Machbarkeitsprüfung vor dem ersten Auftrag ist daher die günstigste Form der Fehlervermeidung, die es gibt.

Der Serienanlauf entscheidet über den Erfolg der gesamten Produktion

Ein Szenario, das sich regelmäßig wiederholt: Ein Einkäufer unterschreibt den Serienauftrag und erwartet, dass die Fertigung innerhalb weniger Tage läuft.Der Liefertermin ist eng, der Druck hoch. Zwei Wochen später ist das erste Teil noch nicht produziert. Nicht wegen langsamer Fertigung, sondern weil Serienanläufe Vorbereitung brauchen.

Die Antwort ist nicht, dass irgendjemand zu langsam ist. In den ersten Tagen nach Auftragseingang wird geprüft, ob Mengen, Preise und Liefertermine tatsächlich mit dem Angebot übereinstimmen. Innerhalb von maximal drei Tagen erhält der Kunde eine verbindliche Auftragsbestätigung. Die Fertigung selbst startet üblicherweise ein bis zwei Wochen später, weil in dieser Zeit Werkzeuge vorbereitet, Fertigungsparameter eingestellt und die Materialversorgung organisiert werden. Wer diese Phase unter Zeitdruck abkürzt, riskiert Anlaufprobleme, die sich durch die gesamte Serie ziehen. Für Einkäufer bedeutet das eine einfache Konsequenz: Wer realistische Lieferzeiten will, plant die Vorlaufzeit von Anfang an ein. Wer sie ignoriert, schafft Druck, der sich an anderer Stelle entlädt.

Konstante Qualität über die gesamte Serie hinweg

Das größte Qualitätsrisiko in der Serienfertigung liegt nicht im ersten Teil, sondern im letzten. Prozessschwankungen, die sich über eine lange Serie aufbauen, sind am Anfang unsichtbar und machen sich erst bemerkbar, wenn bereits eine größere Stückzahl betroffen ist.

Zuverlässige Qualitätssicherung setzt deshalb an beiden Enden an: Das erste und das letzte Teil einer Serie werden auf der Messmaschine geprüft. Dazwischen wird serienbegleitend gemessen, damit Abweichungen erkannt werden, bevor sie eine größere Stückzahl betreffen.

Eine besonders unterschätzte Variable ist das Rohmaterial selbst. Blechmaterial schwankt chargenweise, und diese Schwankungen sind nicht trivial. Bereits 0,03 mm Abweichung in der Blechstärke können beim Abkanten einen Winkelfehler von einem Grad verursachen. Teile aus zwei verschiedenen Chargen können also unterschiedliche Biegeergebnisse liefern, obwohl die Maschine identisch eingestellt ist. Die Lösung ist konsequente Chargentrennung: Bleche aus unterschiedlichen Lieferchargen werden nicht gemischt. So bleibt die Prozessstabilität erhalten, und Schwankungen lassen sich, wenn sie auftreten, klar einer Ursache zuordnen.

Flexibilität in der laufenden Serie

Kein Abrufplan übersteht den Kontakt mit der Realität vollständig. Mal ruft ein Kunde mehr ab als vereinbart, mal weniger. Wie ein Fertigungsbetrieb damit umgeht, entscheidet über die Lieferfähigkeit.

Bewährt haben sich Jahresverträge oder Rahmenkontrakte, bei denen vorausschauend produziert wird, typischerweise etwa eine Monatsmenge, die als Puffer im Lager liegt. Erhöht sich der Abruf kurzfristig, wird aus diesem Puffer geliefert. Fällt er geringer aus, wird der Puffer beim nächsten Fertigungsanlauf aufgefüllt. Das Lager ist damit keine Kostenposition, sondern eine Flexibilitätsreserve, die auf beiden Seiten wirkt: Der Kunde bekommt kürzere Reaktionszeiten, der Fertigungsbetrieb kann seine Kapazitäten gleichmäßiger auslasten.

Mit Baugruppen Kosten und Aufwand reduzieren

Ob ein Fertigungsbetrieb Einzelteile oder montierte Baugruppen liefert, klingt nach einer logistischen Entscheidung. Tatsächlich ist es eine Frage der Gesamtkosten.

Wer fünf Blechteile als Einzelteile bezieht, hat fünf Wareneingänge, fünf Lagerplätze, fünf Artikelnummern und die Aufgabe, Passgenauigkeit und Funktion selbst zu prüfen. Wer dieselben fünf Teile als fertig montierte und geprüfte Baugruppe bezieht, hat eine Lieferposition. Stimmt etwas nicht, wird es vor der Auslieferung korrigiert, nicht beim Kunden am Montageband.

Das Argument, Baugruppen lohnen sich erst ab einer bestimmten Komplexität, greift zu kurz. Selbst bei einfachen Teilen sind die eingesparten Handlingkosten und die reduzierte Fehlerwahrscheinlichkeit auf Kundenseite real. Die Frage ist nicht, ob sich eine Baugruppe lohnt. Die Frage ist, warum man sie bisher nicht zur Lieferung umgesetzt hat.

Serienfertigung als Gesamtprozess

Eine Blechserie, die reibungslos läuft, sieht von außen unspektakulär aus. Keine Nacharbeiten, keine Diskussionen über Toleranzen, keine Lieferverzögerungen. Was dahintersteckt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, die lange vor dem ersten gefertigten Teil getroffen wurden. Wer Serienfertigung als Gesamtprozess versteht und nicht als Abfolge einzelner Bestellvorgänge, bemerkt irgendwann, dass die teuersten Probleme die sind, die gar nicht erst entstehen.

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FAQ

Fertigungsbetriebe übernehmen das Nennmaß aus den CAD-Daten, nicht eine separat notierte Toleranz anhand einer Zeichnung. Wer ein Teil auf 399,7 mm benötigt, muss 399,7 mm zeichnen. Steht in der Zeichnung 400 mm mit einer asymmetrischen Toleranz ohne entsprechende Korrektur des Nennmaßes, wird auf 400 mm gefertigt. Die Folge sind Teile, die beim Zusammenbau nicht passen.

Bereits 0,03 mm Abweichung in der Blechstärke können beim Abkanten einen Winkelfehler von einem Grad verursachen. Teile aus verschiedenen Materialchargen können dadurch unterschiedliche Biegeergebnisse liefern, obwohl die Maschineneinstellung identisch ist. Konsequente Chargentrennung verhindert solche Schwankungen zuverlässig.

Eigentlich immer. Wer Einzelteile separat bezieht, verwaltet mehrere Artikelnummern, koordiniert mehrere Wareneingänge und prüft Passgenauigkeit selbst. Eine fertig montierte Baugruppe reduziert das auf eine einzige Lieferposition, bei der Funktion und Passgenauigkeit bereits geprüft sind.

In den ersten 48 bis 72 Stunden wird geprüft, ob Mengen, Preise und Liefertermine dem Angebot entsprechen. Die verbindliche Auftragsbestätigung erfolgt innerhalb von drei Tagen. Der Fertigungsstart liegt dann üblicherweise ein bis zwei Wochen später, da Werkzeuge, Fertigungsparameter und Materialversorgung vorbereitet werden müssen.

Über vorausschauende Lagerproduktion im Rahmen von Jahresverträgen oder Rahmenkontrakten. Der Fertigungsbetrieb produziert etwa eine Monatsmenge vor und lagert diese als Puffer. Ruft der Kunde mehr ab als geplant, wird aus dem Lager geliefert. Das stabilisiert die Lieferzeiten auf Kundenseite und ermöglicht eine gleichmäßigere Auslastung der Fertigungskapazitäten.